Arbeiten im Freien

Der Schutz vor intensiver UV-Strahlung und vor Sommerhitze wird immer wichtiger. Zudem erfordern instabile Wälder und höhere Infektionsrisiken bei allen Tätigkeiten im Freien durchdachte Maßnahmen. 

Wichtig ist für Unternehmen, mit einer Gefährdungsbeurteilung zunächst technische und organisatorische Maßnahmen im Blick zu haben: 

  • Sind regelmäßige Pausen im Schatten oder in klimatisierten Räumen möglich?
  • Können Sonnensegel etc. zusätzlichen Schutz bieten?
  • Stehen ausreichend Getränke (Wasser, Schorlen, Tees) zur Verfügung?
  • Können Arbeiten im Freien in die frühen Morgenstunden oder auf den Nachmittag gelegt werden?
  • Gibt es Rotationsmöglichkeiten zwischen Tätigkeiten, um die Belastung durch Hitze und UV-Strahlung in den Teams zu verteilen?

 

UV-Strahlung und Hautschutz

 

 

Immer wichtiger wird ein konsequenter Schutz vor UV-Strahlung: Wer zwischen Ostern und Oktober im Freien arbeitet, kann den Sonnenschutz nicht mehr so locker nehmen wie früher – das zeigt der UV-Index, der den Anstieg der schädlichen solaren Strahlung belegt. Tipp: Über den aktuellen UV-Index am eigenen Standort kann man sich beim Deutschen Wetterdienst und in Wetter-Apps informieren.

Gewohnheiten zu ändern, fällt uns Menschen schwer. Im betrieblichen Alltag zeigt sich, dass manchen Beschäftigten der Schutz gegen Sonne überzogen oder lästig erscheint. Wer meint, Sonnenschutz braucht man erst im Sommer, irrt. Das war einmal! Deshalb sind angemessene Unterweisungen so wichtig.

Bei Arbeiten im Freien müssen die Beschäftigten durch geeignete Bekleidung persönlich geschützt sein:

  • Shirts und Hosen mit langen Ärmeln und Beinen
  • Kopfbedeckung mit Nackenschutz
  • Sonnenschutzmittel
  • ggf. Sonnenbrillen

Details werden auf Basis der Gefährdungsbeurteilung ermittelt. Tipp: Bei der Auswahl der Bekleidung die Beschäftigten einbeziehen. Das erhöht die Akzeptanz und die Wahrscheinlichkeit, dass die Bekleidung getragen wird.

Biologische Gefährdungen

Es gibt neue Erreger durch Insekten, die sich inzwischen heimisch fühlen, unter anderem:

  • Tigermücken, die das Dengue-Fieber übertragen 
  • Zecken, die im Laufe des Jahres länger und mittlerweile überall aktiv sind, mit bekannten Risiken wie FSME, Hirnhaut- oder Rückenmarksentzündungen oder Borreliose 

Zudem siedeln sich im wärmeren Klima neue allergisierende Pflanzen und Pilze an, wie Ambrosia, die Ahorn-Rußrindenkrankheit oder der Eichenprozessionsspinner.

Fachleute stellen klar: Es geht nicht mehr um einzelne Ereignisse in Waldkindergärten oder Freibädern, sondern zunehmend um öffentliche Plätze, Parks, Wälder, Wiesen und auch private Gärten. Deshalb ist Aufklärung über Risiken und Schutzmaßnahmen entscheidend.

Wichtig ist, dass Beschäftigte bei Arbeiten im Freien lange, geschlossene Bekleidung und Schutzhandschuhe tragen. Außerdem ergibt sich über eine Gefährdungsbeurteilung der Bedarf an Impfschutz, beispielsweise gegen FSME.

DGUV Information 214-078 „Vorsicht Zecken!“

Extremwetter

Wir alle müssen mit den Klimaveränderungen dazulernen. Die Intensität und Häufigkeit der extremen Temperaturen, der Niederschläge und Winde werden zunehmen. Gegen diese Wetterereignisse gibt es bereits geeignete Schutzmaßnahmen, beispielsweise baulicher Art. Aber alle Maßnahmen müssen überprüft und verbessert werden. Um sich auf Ereignisse vorzubereiten, kann es hilfreich sein, Wetter-Apps in die Planung von Arbeiten im Freien einzubeziehen. 

Grünpflege und Waldarbeiten

Die Folgen von Hitze und Wassermangel schwächen Bäume in Wäldern und Gärten, auf Schulhöfen und im öffentlichen Raum wie Parks oder an Straßen und in Städten. Sie entwickeln vermehrt abgestorbene Äste im Kronenbereich. Die Bestände werden instabiler, anfälliger für Schädlinge und Sturmschäden

Gerade nach Extremwettern sorgen umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste für zusätzliche Arbeit. Straßen und Wege müssen freigeräumt werden – oft zu extremen Tages- und Nachtzeiten. Baumbestände müssen kontrolliert, gesichert oder entfernt werden. 

Das betrifft die Verkehrssicherungspflicht ebenso wie die Grün- und Landschaftspflege, den Straßenunterhaltungsdienst sowie Wasserbau und -wirtschaft. Häufig sind auch Strom- oder Bahntrassen in Mitleidenschaft gezogen. Bauhöfe, Hausmeistereien von Schulen und Kindertagesstätten und sogar die Wildtierhaltung sind gefordert.

Technische Hilfsmittel

Um mit Totholz und geschwächten Bäumen zu arbeiten, kommen Maschinen zum Einsatz, die den veränderten Anforderungen besser gerecht werden. Bei Maßnahmen der Verkehrssicherung gibt es beispielsweise Fahrzeuge mit besonders langen Auslegern für Kappaggregate. Dabei ist es wichtig, dass Trägerfahrzeug und Aggregat sicherheitstechnisch aufeinander abgestimmt sind und bestimmungsgemäß eingesetzt werden. Um solche Verbesserungen zu fördern, arbeiten verschiedene Träger der gesetzlichen Unfallversicherung und Hersteller eng zusammen.

Forstwirtschaft

Unsere Wälder sind inzwischen so instabil geworden, dass weniger das planmäßige Bewirtschaften der Forsten im Mittelpunkt steht als vielmehr die „zufälligen Nutzungen“ sowie das Beseitigen von Totholz. Vorrangig sollten dabei Maschinen eingesetzt werden, um den Menschen zu schützen. Das hat jedoch seine Grenzen: Die Forstbetriebe müssen vom „schlechten Ende“ her planen, etwa damit sich Schädlinge nicht weiter ausbreiten können. 

Das führt zu mehr kurzfristigen Einsätzen auf kleiner Fläche. Gleichzeitig ist die motormanuelle Waldarbeit deutlich anspruchsvoller geworden: etwa bei Arbeiten unter Totholz im Kronenraum oder beim Fällen, weil sich abgestorbene Bäume dabei anders verhalten als gesunde. Es besteht jederzeit die Gefahr, von abgestorbenen Ästen und Baumteilen getroffen zu werden. Das stellt neue Anforderungen an die Eigensicherung. Statt der bisherigen „Regelfälltechnik“ kommt verstärkt die „Sicherheitsfälltechnik“ zum Einsatz, in Kombination mit neuen Techniken und Arbeitsverfahren. 

Heute wird idealerweise mithilfe eines ferngesteuerten Fällkeils gearbeitet. So können sich alle Beteiligten außerhalb der Gefahrenzone aufhalten, wenn der Baum fällt. In den Unternehmen haben sich diese neuen Geräte und Verfahren bereits etabliert. Die Akzeptanz ist hoch: Erfahrene Forstleute stellen sich darauf ein, und der Nachwuchs lernt die neuen Methoden von Anfang an.

DGUV Regel 114-018 „Waldarbeiten“

 

Opens internal link in current windowHier geht es zum Interview zur Gefährdungsbeurteilung für die Arbeit im Freien