Interview zur Gefährdungsbeurteilung

Durch Stress – oft auch durch ungeduldige Mitmenschen befördert – besteht bei Aufräumarbeiten nach Extremwettern ein hohes Risiko für Unfälle. Zudem sieht die Situation vor Ort jedes Mal anders aus. Beschäftigte müssen Gefährdungen schnell und richtig einschätzen, um sich selbst und andere bei der Arbeit nicht in Gefahr zu bringen. Drei Fragen hierzu an Diplom-Forstwirt Christian Grunwaldt,  Abteilungsleiter im Geschäftsbereich Prävention der KUVB /Bayer. LUK und Leiter des Sachgebiets Straße, Gewässer, Forsten, Tierhaltung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

 

Helfen bei Arbeiten im Freien die zuvor erstellten Gefährdungsbeurteilungen?

Auf jeden Fall, denn die Tätigkeiten selbst bleiben im Kern immer gleich. Eine solide Routine und erprobte risikoarme Vorgehensweisen – etwa im Umgang mit Maschinen, Fahrzeugen und anderen Arbeitsmitteln sowie Persönlicher Schutzausrüstung – sind daher unverzichtbar. 

Entscheidend ist jedoch, dass die Gefährdungsbeurteilungen und Unterweisungen durch die Vorgesetzten regelmäßig angepasst werden. Wichtig ist dabei eine gute Abstimmung untereinander – dann können Erfahrung und geeignete Schutzmaßnahmen ineinandergreifen.

 

Wie viel Flexibilität ist gefragt?

Die Gefährdungsbeurteilung gibt Handlungssicherheit in unsicheren Zeiten – das gilt auf allen Ebenen, von der Leitung über Vorgesetzte bis zu den Beschäftigten. Um den jeweils wechselnden Situationen vor Ort hinsichtlich Sicherheit und Gesundheit adäquat zu begegnen, ist Flexibilität gefragt. Wir sprechen hier von einer situativen Gefährdungsbeurteilung und eventuell zusätzlich erforderlichen Maßnahmen, die sich jeweils aus den konkreten Bedingungen ergeben. Vor allem in Außenbereichen arbeiten Teams oft sehr eigenverantwortlich. Entscheidend ist aber, dass die Führung klare Rahmenbedingungen schafft. Für die Beschäftigten gilt: Wer die Prioritäten und die Leitplanken kennt, kann souverän handeln.

 

Das hilft dann auch, wenn Menschen sich auf dem Weg zur Arbeit durch eine Verkehrssicherungsmaßnahme behindert sehen und Druck ausüben?

Das stimmt. Umso wichtiger ist es, dass die Beschäftigten souverän und geschlossen handeln. Denn klar ist: Wenn sich bei den Sicherungsmaßnahmen ein Unfall ereignet, geht es auch nicht schneller. Und niemand möchte die Verantwortung dafür tragen müssen, dass Personen durch übereilte Aktionen zu Schaden kommen. Hier ist auch Verständnis seitens der Verkehrsteilnehmenden gefragt. 

 

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